Arbeitsmarktpolitik

Arbeitsmarktpolitik aktuell – Oktober 2026

Oktober 2026: Welche Prioritäten der Senat für die neue Legislatur setzen sollte

Der Berliner Arbeitsmarkt steht vor großen Herausforderungen: Trotz hoher Arbeitslosigkeit su­chen viele Unternehmen weiterhin händeringend nach qualifizierten Beschäftigten. Die jüngsten Arbeitsmarktzahlen deuten auf eine leichte Erholung hin, doch die strukturellen Probleme bleiben bestehen. Für den kommenden Senat wird es deshalb entscheidend sein, vorhandene Potenziale besser zu nutzen und die langfristige Fachkräftesicherung zu stärken.

Aktuelle Situation auf dem Arbeitsmarkt

Im September 2026 waren in Berlin rund 224.000 Menschen arbeitslos gemeldet. Zwar sank die Arbeitslosenquote gegenüber August von 10,6 auf 10,4 Prozent, die Arbeitslosigkeit liegt jedoch weiterhin über dem Vorjahresniveau. Mehr als die Hälfte der Arbeitslosen verfügt bereits über eine Fachkräftequalifikation und bringt damit Kompetenzen aus unterschiedlichsten Bereichen mit – von Büro und Verwaltungsberufen bis hin zur IT und Sozialwesen. Dennoch fällt es vielen Unternehmen schwer, passende Beschäftigte zu finden. Das verdeutlicht, dass das Matching zwischen Arbeitsuchenden und Unternehmen bislang nicht ausreichend funktioniert. Langfristig dürfte sich der Fachkräftemangel in Berlin weiter verschärfen. Derzeit sind bei der Bundesagentur für Arbeit über 20.000 offene Arbeitsstellen gemeldet. Der IHK-Fachkräftemonitor prognostiziert für das Jahr 2035 rund 130.000 unbesetzte Stellen. Ein wesentlicher Treiber ist der demografische Wandel: Bis 2035 werden voraussichtlich rund 439.000 Erwerbstätige aus dem Berliner Arbeitsmarkt ausscheiden.

Was der kommende Senat anpassen muss

Für die Berliner Arbeitsmarktpolitik ergibt sich daraus eine doppelte Aufgabe: Kurzfristig müssen Arbeitsuchende und Unternehmen besser dabei unterstützt werden, zusammen­finden. Langfristig gilt es, zusätzliche Fachkräfte zu gewin­nen, vorhandene Potenziale stärker zu nutzen und Beschäf­tigte im Arbeitsmarkt zu halten.
Dafür sind insbesondere vier Schwerpunkte entscheidend:
1. Inländische Potenziale stärker nutzen: Um mehr Menschen den Zugang zum Arbeitsmarkt und die Ausweitung ihrer Arbeitszeit zu ermöglichen, braucht es bessere Kinderbetreuungs- und Pflegeangebote, auch zu Randzeiten. Weiterbildungsangebote sollten zudem gezielt Zukunftskompetenzen in den Bereichen MINT, Digitalisierung und grüne Technologien stärken.
2. Internationale Fachkräfte gewinnen: Berlin braucht mehr internationale Talente und Fach­kräfte. Dafür müssen Verfahren zur Einreise, Aufenthalt und Anerkennung schneller und digitaler sowie die Will­kommensstrukturen weiterentwickelt werden.
3. Mehr Wohnraum für Auszubildende schaffen: Ausreichend Wohnraum ist entscheidend, um Nach­wuchskräfte zu gewinnen. Dafür braucht Berlin ein leis­tungsfähiges Azubiwerk und deutlich mehr Wohnplätze für Auszubildende.
4. Fachkräftestrategie ambitionierter gestalten: Die vom schwarz-roten Senat im März 2026 beschlos­sene Fachkräftestrategie 2035 bleibt hinter den Anfor­derungen zurück. Der kommende Senat muss sie mit konkreten Maßnahmen, messbaren Zielen und klaren Zuständigkeiten weiterentwickeln.
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