19.08.2026

Fachkräftemangel verschwindet nicht

Trotz Irankrieg und schwachem Wachstum.
Aktualisierte Daten des Fachkräftemonitors zeigen: Das Sondervermögen kann nur im Zusammenspiel mit ausreichend Fachkräften beflügeln.
Der Fachkräftemangel ist weiterhin eine der größten Wachstumsbremsen. Die Wirtschaft in der Region Heilbronn-Franken steht vor einer doppelten Herausforderung. Bis 2035 werden rund 103.100 Beschäftigte in den Ruhestand gehen – gleichzeitig müssten laut aktuellem IHK-Fachkräftemonitor rund 107.400 Arbeitsplätze neu besetzt werden, um das volle Wachstumspotenzial des Standorts ausschöpfen zu können.
Grafik mit Linien und Säulen zum Thema unbesetzte Stellen im Zeitraum 2016 bis 2035

Bereits 2025 blieben rund 12.900 Stellen unbesetzt – ein Zeichen der konjunkturellen Schwäche. Bis 2035 könnte diese Zahl auf 31.900 steigen, also auf etwa das Zweieinhalbfache.

Wertschöpfung kurzfristig gebremst – Sondervermögen mit langfristigen Effekten

Gleichzeitig bietet der Standort Baden-Württemberg weiterhin großes wirtschaftliches Potenzial. Mit dem Sondervermögen des Bundes fließen zusätzliche Investitionen in Milliardenhöhe in die Modellrechnung ein, die das Wachstum in den kommenden Jahren beflügeln könnten. Kurzfristig dämpfen die Auswirkungen des Irankriegs die Wirtschaft mehr als das Sondervermögen die Wertschöpfung ankurbelt. Doch auf lange Sicht dürften die zusätzlichen Gelder Früchte trage. Ob dieses Potenzial ausgeschöpft werden kann, hängt jedoch maßgeblich davon ab, ob genügend Fachkräfte zur Verfügung stehen. Bis 2035 kostet der Fachkräftemangel in Baden-Württemberg insgesamt voraussichtlich einen Wertschöpfungsverlust von über 100 Milliarden Euro.

Gravierender Engpass bei Fachkräften mit Berufsausbildung

Besonders betroffen sind laut Monitor in der Region Tätigkeiten in der Unternehmensorganisation, Verkauf und Logistik sowie der Gesundheitsbereich und gewerblich-technische Berufe – etwa im Maschinen- und Fahrzeugbau. Besonders kritisch ist die Lage bei qualifizierten Fachkräften mit abgeschlossener Berufsausbildung, hier verschärft sich der Engpass bis 2035 gravierend. Aber auch spezialisierte Fachkräfte und akademische Expertinnen und Experten sind weiterhin stark gefragt. Die Nachfrage nach Helfertätigkeiten lässt dagegen nach.

Ohne Zuwanderung fehlen bis 2035 in Heilbronn-Franken 8.000 zusätzliche Arbeitskräfte

Mit den neuen Daten wird gleichzeitig das Nullwanderungsszenario berechnet. Es verdeutlicht die Bedeutung von Zuwanderung für den heimischen Arbeitsmarkt. Fernbleibende Zuwanderung würde den Fachkräftemangel in der Region bis ins Jahr 2035 um 8.000 zusätzliche unbesetzte Stellen verschärfen. Besonders stark betroffen wären in der Region die Logistikberufe (+ 2.000 zusätzliche offene Stellen) und die medizinischen Gesundheitsberufe (+ 700 offene Stellen). Auch bei den Informatik-, Informations- und Kommunikationstechnologieberufen würden zusätzlich 500 offene Stellen unbesetzt bleiben. Das würde die dringend notwendige Digitalisierung in Wirtschaft und Verwaltung und den Schutz gegen Cyberangriffe weiter ausbremsen. Demografische Entwicklungen wie sinkende Geburtenzahlen und eine alternde Gesellschaft machen Arbeitsmigration unverzichtbar.

Fachkräftemangel entgegenwirken

Die IHK bietet ihren Mitgliedsunternehmen eine große Bandbreite an Informationen und Leistungen, die dabei helfen, sich strategisch auf den Fachkräftemangel vorzubereiten und rechtzeitig die passenden Maßnahmen zu ergreifen.
Weitere Informationen unter ⁣Fachkräfte - IHK Heilbronn-Franken.
Hintergrundinformationen:
Der Fachkräftemonitor der baden-württembergischen IHKs ist seit 30. Juni 2025 unter www.ihk-fachkraeftemonitor.de/bw öffentlich zugänglich. Das Modell wird jährlich aktualisiert, sodass aktuelle Trends und politische Maßnahmen zeitnah einfließen können. Der Monitor zeigt zukünftige Entwicklungen am Arbeitsmarkt, detailliert nach Branchen, Berufen und IHK-Regionen.