Jahresbericht 2025

Weiterbildung

Führungskräfte als Talentförderer

Seit April 2025 führt die IHK Nord Westfalen das Projekt „Transformationsmentoring Weiterbildung“ durch. Das auf drei Jahre angelegte Projekt wird vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales und von der Europäischen Union über den ESF Plus im Rahmen des Programms „Wandel der Arbeit“ mit rund 950.000 Euro gefördert. Partner der IHK sind das Institut für Innovationsforschung und -management der Westfälischen Hochschule und die HHL Leipzig Graduate School of Management.
Gemeinsam mit bisher 17 Unternehmen aus dem Münsterland und der Emscher-Lippe-Region konzipiert die IHK Nord Westfalen ein Lehrgangskonzept zur Weiterbildung von Führungskräften. Der Grundstein hierfür wurde bei einem gemeinsamen Workshop im IHK Bildungszentrum gelegt.
Der Lehrgang „Führen in der Transformation“ soll Führungskräfte zu Talentförderern machen. Sie können anschließend ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dazu befähigen, ihr Potenzial für betriebliche Innovations- und Transformationsprozesse zu entfalten.
Kleine und mittlere Unternehmen, die sich beteiligen wollen, sind willkommen. Die Teilnahme an dem entstehenden Lehrgang ist dank der öffentlichen Förderung kostenfrei.
Neben der Kooperation mit den Partner-Unternehmen nimmt die Einbindung der Sozialpartner einen hohen Stellenwert ein. Darüber hinaus wurde ein Projekt-Beirat mit Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Praxis konstituiert, der das IHK-Projekt fachlich begleitet und als Multiplikator unterstützt.

Erster Lehrgang der H2-Academy gestartet

Das vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt geförderte Projekt „H2!Academy“ unterstützt evidenzbasiert den Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft im nördlichen Ruhrgebiet. In 2025 lag der Schwerpunkt auf der systematischen Erhebung des realen Wasserstoffbedarfs, der Analyse zentraler Umsetzungshemmnisse sowie der Identifikation des Qualifizierungsbedarfs in der energieintensiven Industrie. Darüber hinaus wurde erstmals ein technisch ausgerichteter Pilotlehrgang zur gezielten Schließung identifizierter Kompetenzlücken durchgeführt.
Kern des Projekts war ein standardisierter Wasserstoff-Bedarfsradar in Form einer quantitativen Onlinebefragung, an der sich bis Ende 2025 insgesamt 56 Unternehmen und Organisationen beteiligten. Die Ergebnisse zeigen, dass Wasserstoff von einer deutlichen Mehrheit der Befragten mittelfristig als strategisch relevante Schlüsseltechnologie eingeschätzt wird, insbesondere für industrielle Prozesswärme und Energiespeicherung. Gleichzeitig wird der kurzfristige Markthochlauf durch regulatorische Unsicherheiten, hohe Kosten und eine unzureichende Infrastruktur gebremst.
Die quantitativen Ergebnisse werden durch insgesamt 35 leitfragenzentrierte Expertiseinterviews entlang der gesamten Wasserstoff-Wertschöpfungskette ergänzt, davon 25 im Jahr 2025. Die Interviews verdeutlichen den starken Umsetzungsfokus der Region und zeigen, dass praxisnahe Qualifizierung für viele Unternehmen eine zentrale Voraussetzung für Investitions- und Transformationsentscheidungen darstellt.
Als direkte Reaktion auf die identifizierten Bedarfe wurde im Herbst 2025 erstmals der Pilotlehrgang Grundlagen der Wasserstofftechnik für Industriemeister/-innen durchgeführt. Der 80-stündige Lehrgang vermittelte technische Grundlagen, sicherheits- und regelwerksrelevante Anforderungen sowie wirtschaftliche und ökologische Bewertungsmaßstäbe verschiedener Wasserstoffpfade. Alle 16 Teilnehmenden schlossen den Lehrgang erfolgreich ab. Die Evaluation bestätigt den hohen Bedarf an strukturiertem, industrienahem Grundlagenwissen und liefert wichtige Impulse für den Aufbau modularer Weiterbildungsangebote.

Beratung für Solo-Selbstständige im Förder-Programm KOMPASS

Die IHK Nord Westfalen ist seit Mai 2025 offizielle Beratungsstelle für das Förderprogramm KOMPASS – Kompakte Hilfe für Solo-Selbstständige. Das Programm ist Teil des im Jahr 2023 gestarteten Projekts „Solo Fit NRW“ und wird durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales sowie die Europäische Union aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds Plus (ESF Plus) gefördert.
Ziel des Förderprogramms KOMPASS ist es, hauptberuflich tätige Solo-Selbstständige durch bedarfsorientierte und passgenaue Weiterbildungsmaßnahmen dabei zu unterstützen, ihre unternehmerische Tätigkeit nachhaltig zu stabilisieren und zukunftsfähig auszurichten.
Das Programm ermöglicht eine Förderung in Höhe von 90 Prozent, wobei der maximale Zuschuss pro Weiterbildungsmaßnahme auf 4.500 Euro begrenzt ist. Dadurch wird Solo-Selbstständigen ein niedrigschwelliger und praxisnaher Zugang zu unternehmerisch relevanten Qualifizierungsangeboten eröffnet.
Seit Aufnahme der zentralen Anlaufstelle hat die IHK Nord Westfalen im Jahr 2025 insgesamt 80 Qualifizierungsschecks ausgegeben, mit denen ein Fördervolumen von insgesamt 234.000 Euro netto bewilligt wird. Die Nachfrage nach dem Förderinstrument bestätigt den bestehenden Weiterbildungsbedarf innerhalb der Zielgruppe und unterstreicht die Relevanz des Programms.
Solo-Selbstständige, die die Fördervoraussetzungen erfüllen, haben weiterhin die Möglichkeit, eine individuelle Beratung bei der IHK Nord Westfalen in Anspruch zu nehmen, um die Förderfähigkeit zu prüfen und geeignete Weiterbildungsmaßnahmen zu identifizieren.

190 Praktiker auf Bachelor- und Masterniveau weitergebildet

190 Fachkräfte wurden am 28. Oktober 2025 im Bildungszentrum der IHK Nord Westfalen in Münster für ihre Weiterbildungsabschlüsse auf Bachelor- und Masterniveau gefeiert. Die Industriemeister, Fachwirte, Fachkaufleute sowie Betriebswirte und IT-Projektleiter aus dem Münsterland und der Emscher-Lippe-Region hatten ihre IHK-Prüfungen in 2024 und 2025 bestanden. Drei Weiterbildungsabsolventen erhielten zudem eine besondere Auszeichnung der IHK für ihre herausragenden Leistungen.
IHK-Vizepräsidentin Melanie Baum gratulierte den Absolventinnen und Absolventen herzlich. Sie betonte die im Mittelstand so wesentlichen praktischen Fähigkeiten der berufsbegleitenden Weiterbildung und stellte fest, dass die IHK-Abschlüsse einen sehr guten Ruf bei den Unternehmen im Münsterland und der Emscher-Lippe-Region genießen. Die Vizepräsidentin erläuterte darüber hinaus, wie wichtig es sei, aufgeschlossen der Welt von morgen zu begegnen, Veränderungen als Chance zu begreifen sowie lernbereit und neugierig zu bleiben. Sie berief sich auf eine Umfrage bei 300 Unternehmen zu Zukunftskompetenzen im Mittelstand. Veränderungsbereitschaft ist danach für 60 Prozent der Antwortenden die wichtigste Fähigkeit.
Unterstrichen wurde während der Veranstaltung die im Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) festgestellte Gleichwertigkeit der IHK-Weiterbildungsabschlüsse mit akademischen Abschlüssen. Die hohe Qualität werde durch bundesweit einheitliche Prüfungen sichergestellt. Das verleihe den Fortbildungsabschlüssen ein Gütesiegel, auf das Fachkräfte und Unternehmen gleichermaßen vertrauen könnten. Ebenso hervorgehoben wurden die Fördermöglichkeiten über das Aufstiegs-BAföG. Bis zu 75 Prozent der Kosten der Vorbereitungslehrgänge werden übernommen.

Zeugnisse für 93 Absolventen der IHK-Studiengänge

Am 14. Mai 2025 erhielten 79 Absolventen ihre Zeugnisse für den Abschluss eines dualen Studiums, in das eine betriebliche Ausbildung integriert ist. Innerhalb von nur dreieinhalb Jahren haben sie drei Abschlüsse erreicht, neben dem Berufsabschluss und dem Bachelor of Arts noch den Betriebswirt (VWA). 71 Absolventen haben Betriebswirtschaftslehre (BWL) studiert, 8 Wirtschaftsinformatik. 14 der 93 Absolventen haben BWL berufsbegleitend studiert. Die dualen Studiengänge führt die IHK in Kooperation mit der FH Münster bzw. der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen durch.
Dass eine Karriere mit dem dualen Studium ganz nach oben führen kann, verdeutlichte eindrücklich Festrednerin Britta Sprey. Die Geschäftsführerin von Cargobull Parts & Services in Altenberge und ehemalige Absolventin des dualen Studiums, gratulierte den Absolventen herzlich zu ihrem erfolgreichen Abschluss. Sprey betonte, dass die wahre Führungskompetenz nicht nur im Fachwissen liegt, sondern auch in Unternehmertum, Entscheidungskraft und der Fähigkeit, andere zu interessieren und zu begeistern.
Die Jahrgangsbesten der jeweiligen Fachrichtungen Florenz Krumme und Merlin Hannig wurden für die hervorragende Leistung besonders geehrt. Florenz Krumme hat das duale Studium der Fachrichtung BWL mit der Note 1,2 abgeschlossen und wurde im Unternehmen Bischof & Klein in Lengerich ausgebildet. Merlin Hannig hat das duale Studium der Fachrichtung Wirtschaftsinformatik mit der Note 1,4 abgeschlossen. Er wurde im Unternehmen Guidecom in Münster ausgebildet.

Trainerkongress 2025: Lernen entlang des Lebenszyklus

Ältere Beschäftigte lernen nicht besser oder schlechter als Jüngere. Sie lernen jedoch anders, erläutert Prof. Dr. Jutta Rump vom Institut für Beschäftigung und Employability beim Trainerkongress am 25.09.2025, an dem die IHK Nord Westfalen rund 60 Trainerinnen und Trainer zum Netzwerken, Austauschen und Weiterbilden eingeladen hat.
Frau Prof. Rump sensibilisierte in ihrem Vortrag dafür, dass Weiterbildung mehr sein muss als Wissensvermittlung – sie muss Räume für Partizipation, Reflexion und individuelle Entwicklung bieten. Lebenslanges Lernen wird zur Haltung, die durch eine wertschätzende und generationenübergreifende Lernkultur unterstützt werden sollte. Denn: Menschen lernen in jedem Alter – aber auf unterschiedliche Weise. So verfügen ältere Teilnehmende über kristallisierte Kompetenzen, die auf Erfahrung beruhen, während Jüngere fluide Fähigkeiten mitbringen, etwa im Umgang mit digitalen Tools. Trainerinnen und Trainer sind gefordert, Lernformate zu entwickeln, die sowohl diese Unterschiede berücksichtigen als auch gemeinsames Lernen ermöglichen.
Der Trainerkongress der IHK Nord Westfalen ist Teil der Qualitätsoffensive in der beruflichen Weiterbildung und findet jährlich statt.

Erstsemester starten ihr duales Studium

Im August starteten insgesamt 108 Erstsemester ihr duales Studium bei der IHK Nord Westfalen, davon 96 in der Fachrichtung Betriebswirtschaft und 12 in der Fachrichtung Wirtschaftsinformatik.
Die IHK-Studiengänge kombinieren das Beste aus zwei Bildungswelten: die Ausbildung in einem Unternehmen mit einem Studium an der IHK in Kooperation mit der FH Münster oder der Westfälischen Hochschule in Gelsenkirchen. Nach dreieinhalb Jahren haben die Absolventen einen Ausbildungsabschluss und ein Bachelor-Zeugnis in der Tasche. Als Zugabe erwerben sie noch das Wirtschaftsdiplom Betriebswirt VWA.
Den insgesamt 108 Erstsemestern werden ausgezeichnete Karrierechancen eingeräumt. Sie bringen nicht nur theoretisches Wissen, sondern auch wichtige Praxiserfahrung mit. Für die Gewinnung von Fach- und Führungskräften im mittleren Management gewinnt dieses Ausbildungsmodell zunehmend an Bedeutung. Für die Unternehmen, die die Studien- und Ausbildungsplätze anbieten, sind die IHK-Studiengänge deshalb auch ein wichtiges Instrument der Fachkräftesicherung. Nicht ohne Grund liest sich die Liste der beteiligten Unternehmen wie das „Who is who“ führender Mittelständler aus der Region.

Neuer IHK-Lehrgang „Sicherheitskraft im ÖPV (IHK)“ gewinnt Branchen-Award

Der neue IHK-Lehrgang „Sicherheitskraft im ÖPV (IHK)“ wurde mit dem Germany Outstanding Security Performance Award (OSPA) 2025 ausgezeichnet. Die OSPAs gehören zu den renommiertesten Preisen der Sicherheitsbranche und würdigen Organisationen, die durch innovative und wirksame Sicherheitsmaßnahmen überzeugen.
Der neue Vollzeitlehrgang „Sicherheitskraft im ÖPV (IHK)“ findet 2 Monate lang am Standort Gelsenkirchen statt. Er setzt neue Standards für die Qualifizierung von Sicherheitskräften im öffentlichen Personennahverkehr. Der Lehrgang wurde in enger Zusammenarbeit mit dem Kompetenzcenter Sicherheit NRW des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr AöR entwickelt und bietet eine praxisorientierte Weiterbildung, die rechtliche Grundlagen, Konfliktmanagement und praktische Übungen vereint.
Die Jury würdigte den Lehrgang als innovativ und nachhaltig, weil er:
  • Praxisnähe und Rechtssicherheit kombiniert, um Handlungskompetenz zu stärken.
  • Sicherheitsstandards im ÖPV deutlich erhöht und Vertrauen bei Fahrgästen schafft.
  • Langfristige Wirkung entfaltet, indem er die Professionalität von Sicherheitskräften fördert.
  • Als Best Practice für die Branche gilt und Vorbildcharakter hat.
Mit dem Lehrgang wurde eine solide Basis für qualifizierte Sicherheitskräfte und damit für mehr Sicherheit im Alltag geschaffen. Als Gewinner der deutschen OSPAs ist der Lehrgang automatisch für die Global OSPAs 2026 nominiert.