6 min
Lesezeit
Auftakt ins gesunde Arbeitsleben
Ein betrieblicher Gesundheitstag stärkt nicht nur den Rücken, sondern auch die innere Haltung zum Thema Fitness – so die Erfahrung in zwei Unternehmen der Region.
Das Team der MATSERV GmbH hat sofort auf dem Schirm, wenn es nicht rund läuft in den Kälte-, Klima- und Energieanlagen der Kundschaft. Es ist für die Fernüberwachung der Systeme verantwortlich, schlägt im Bedarfsfall Alarm, unterstützt die Reparatur oder behebt den Fehler online. Schließlich sollen in Supermarkt und Großhandel die Produkte auf Eis liegen, nicht die Prozesse und der Umsatz. Eine spannende Aufgabe also, manchmal auch für den Rücken. „Wir sitzen viel, arbeiten im Schichtdienst“, erklärt Hartmut Brückner, geschäftsführender Gesellschafter des in Castrop-Rauxel ansässigen Unternehmens. Deshalb ist er sofort hellhörig geworden, als ihm eine befreundete Unternehmerin vom Gesundheitstag berichtet, bei dem es um Fitness und Arbeitsplatzqualität geht.
„Ich wusste gar nicht, dass es das Angebot gibt“, sagt Brückner, der 25 Mitarbeitende beschäftigt. Nach wie vor also besteht Informationsbedarf zur betrieblichen Gesundheitsförderung. Selbst deutlich größere Unternehmen schöpfen die Potenziale noch nicht systematisch aus. So zeigt die Studie „#whatsnext 2025 – Gesund arbeiten in herausfordernden Zeiten“ – vorgelegt von IFBG (Institut für betriebliche Gesundheitsberatung), Techniker Krankenkasse und Personal Magazin – dass nur ein Viertel der mehr als 1.500 befragten Wirtschaftsunternehmen und öffentlichen Einrichtungen ein ganzheitliches Gesundheitsmanagement-Konzept umsetzt. Die Hälfte stelle in diesem Bereich weniger als 10.000 Euro zur Verfügung oder habe kein Budget. „Betriebliches Gesundheitsmanagement scheint für viele Unternehmen immer noch ein „Nice-to-have“-Thema zu sein“, folgern die Autoren.
Demnach legen die Mitarbeitenden jetzt regelmäßig Bewegungspausen ein und drehen regelmäßig an den Stellschrauben der individuellen Arbeitsplatzergonomie. Die Geschäftsleitung hat bereits eine Umfrage zu den Inhalten des kommenden Gesundheitstages gestartet. Stress-Resilienz und Rückengesundheit stehen oben auf der Wunschliste. „Wenn viele Störungsmeldungen zugleich anfallen, ist das natürlich eine Herausforderung“, erklärt der MATSERV-Chef, der die Kosten in Höhe von ca. 1.000 Euro für Zeitaufwand und Verpflegung nicht gegen eingesparte Krankheitstage aufwiegen will. „Uns ist viel wichtiger, dass das grundsätzliche Verständnis für das Thema Gesundheit gefördert wird“, sagt er und verweist auf einen weiteren nachhaltigen Effekt: Gestärkt werde auch die Arbeitgebermarke. Für die Team-Zugänge im vergangenen Jahr sei das Gesundheitspaket ein Entscheidungskriterium pro MATSERV gewesen.
Power für die Podologie
Mit zwei Gesundheitstagen hat die Unternehmerin gegengesteuert: Mit Beratung haben Ergonomie-Experten und ein Physiotherapeut ihren beiden Praxis-Teams das Arbeitsleben dauerhaft leichter gemacht. Gern angenommen wurden zudem die Tipps zu Steigerung der Stress-Resilienz. Der psychische Druck auf das Praxis-Team sei deutlich angestiegen, sagt Fabek. „Es gibt immer mehr unangenehme Gespräche über Rezept- und Rechnungsfragen, wir mussten schon mal die Polizei holen“, berichtet sie und spricht somit ein Top-Thema des betrieblichen Gesundheitsmanagements an. So gewinnen, laut Studie „#whatsnext 2025“, vor allem Maßnahmen zur Förderung der psychischen Gesundheit der Beschäftigten an Bedeutung. Hier sehen die Autoren noch Handlungsbedarf: Nur rund die Hälfte der befragten Unternehmen kommt der gesetzlichen Pflicht nach dem Arbeitsschutzgesetz § 5 nach und setze eine psychische Gefährdungsbeurteilung um. Arbeitgeber nämlich sind, unabhängig von der Größe eines Betriebes, bundesweit verpflichtet, Gefährdungen am Arbeitsplatz zu beurteilen und entsprechende Maßnahmen des Arbeitsschutzes abzuleiten.
Tanja Fabek jedenfalls will mit dem Gesundheitstag auch Gemeinschaftsgefühl und Arbeitsklima stärken. Mit einem Essen zum Abschluss wird er zu einem willkommenen Team-Event. Sie ist sicher, dass sie mit ihren Angeboten zur Gesundheitsförderung doppelt punkten kann: Der Krankenstand bleibe auf einem relativ niedrigen Niveau, gesteigert würden die Arbeitszufriedenheit und somit die Bindung der Mitarbeitenden an das Unternehmen. Der Gesundheitstag, zieht Fabek ihr Fazit, spiele im Gesamtpaket der Maßnahmen eine wichtige Rolle. Es gehe darum, wachzurütteln und zu zeigen, wie sich Dinge verändern lassen. In ihren beiden Betrieben hat das gut funktioniert: „Viele machen jetzt morgens und abends Übungen und gehen regelmäßig ins Fitness-Studio“, erzählt die Unternehmerin.
Spielend Gesundheit lernen
Die Gesundheitstage in der Podologischen Praxis Fabek und bei MATSERV sind vom Start-Up JTM konzipiert und realisiert worden, das in Castrop-Rauxel ansässig ist. Gesellschafter Markus Ubachs hat im Zuge seiner Tätigkeit als Versicherungskaufmann festgestellt, dass der Bedarf an betrieblicher Gesundheitsförderung immer weiter ansteigt. Eine Befragung im Geschäftskundenkreis habe gezeigt, dass sich ca. 70 Prozent mehr Angebote wünschen.
V.l.: Markus Ubachs, Jannik Laakmann, Tom Kutschinski von der JTM.
Die Belegschaft soll spielend und mit Spaß das Gesundheits-Know-how erweitern. Je nach Themensetzung und Anforderungen ist Fachpersonal aus verschiedenen Berufen der Gesundheitsbrache mit von der Partie. „Am Ende präsentieren wir die anonymisierte Auswertung dem Arbeitgeber, damit er weiß, wo die Ansatzpunkte für die weiteren Maßnahmen sind“, erklärt Ubachs. Zwar könne ein Gesundheitstag für „Mega-Aha-Erlebnisse“ führen, betont der Unternehmer und verweist auf einen Pflegedienst-Team, dass jetzt mit ergonomisch optimal eingestellten Autositzen gesünder durch den Arbeitstag fährt. Letztlich aber diene das Event vor allem der Bedarfsanalyse und sei somit als Impulsgeber für ein kohärentes Gesamtkonzept gedacht, das gemeinsam mit dem Unternehmen entwickelt und fortlaufend optimiert werde. Die Studie „#whatsnext 2025“ zeigt, dass JTM mit diesem Angebot einen Nerv getroffen hat.
Kontakt
Redaktion Wirtschaftsspiegel
