Wirtschaft bleibt stark – doch Zuversicht schwindet
IHK Ostbrandenburg berichtet zur Konjunktur im Herbst
Die ostbrandenburgische Wirtschaft zeigt sich bemerkenswert robust. Nach Pandemie, Energiekrise, gestörten Lieferketten, geopolitischen Verwerfungen und erheblichen Preissteigerungen behaupten sich die Unternehmen seit inzwischen rund drei Jahren in einem äußerst schwierigen Umfeld.
„Mit hoher Flexibilität, Tatkraft und Anpassungsfähigkeit sichern die Betriebe, Arbeitsplätze und Investitionen. Doch die anhaltenden Belastungen hinterlassen Spuren: Die Zuversicht nimmt weiter ab“, sagt Monique Zweig, Hauptgeschäftsführerin der IHK Ostbrandenburg.
Der Konjunkturklimaindex* im IHK-Bezirk steigt im Herbst gegenüber dem Frühsommer zwar von 76 auf 87 Punkte. Er bleibt damit jedoch unter dem Vorjahreswert und deutlich vom Vorkrisenniveau entfernt. Rund 37 Prozent der befragten Unternehmen rechnen mit einer Verschlechterung ihrer Geschäfte. Nur gut sieben Prozent erwarten eine Verbesserung. Auch die Umsatzaussichten bleiben verhalten: 14 Prozent gehen von steigenden, 53 Prozent von gleichbleibenden und 33 Prozent von sinkenden Umsätzen aus.
„Es ist bemerkenswert, mit welcher Kraft und Flexibilität sich die ostbrandenburgischen Unternehmen seit Jahren gegen immer neue Belastungen stemmen. Diese Widerstandsfähigkeit darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass viele Betriebe zunehmend an ihre Grenzen kommen. Anpassungsfähigkeit allein schafft noch keinen Aufschwung“, sagt Monique Zweig.
Die Entwicklung unterscheidet sich deutlich zwischen den Branchen: Gastgewerbe, Teile des Handels und die Dienstleistungswirtschaft stützen derzeit die Konjunktur. Industrie und Baugewerbe bleiben dagegen unter Druck. Besonders angespannt ist die Situation im Verkehrs- und Logistikgewerbe: Dort fällt der Konjunkturklimaindex auf 42 Punkte und damit auf das Niveau der Corona-Krise.
Auch die Investitionen zeigen, wie stark die Unternehmen auf Sicherung statt auf Expansion setzen. Zwar investiert gut die Hälfte der Betriebe. Die Mittel fließen jedoch vor allem in Ersatzbeschaffungen und Rationalisierungen. Breite Wachstumsimpulse bleiben aus.
„Die Betriebe haben ihren Teil geleistet: Sie haben Prozesse angepasst, Kosten gesenkt, investiert und neue Lösungen gefunden. Jetzt ist die Politik gefordert, den Unternehmen wieder mehr Raum für Wachstum zu geben. Wer Zuversicht zurückgewinnen will, muss Belastungen spürbar reduzieren und verlässliche Perspektiven schaffen“, sagt Monique Zweig.
Die IHK Ostbrandenburg macht die konkreten Belastungen und Bedarfe der Unternehmen gegenüber Politik und Verwaltung sichtbar und bringt daraus abgeleitete Forderungen in wirtschaftspolitische Entscheidungen ein: Im Mittelpunkt stehen wettbewerbsfähige Energiepreise, verlässliche Rahmenbedingungen, weniger Bürokratie, schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren sowie bessere Voraussetzungen für Investitionen und Beschäftigung.
Mehr unter http://ihk-obb.de/konjunktur
An der Herbstumfrage 2026 beteiligten sich mehr als 300 Unternehmen aus allen Branchen und Teilregionen des IHK-Bezirks. Die Rücklaufquote lag bei 20 Prozent.
* Der Konjunkturklimaindex errechnet sich aus der aktuellen Geschäftslage der Unternehmen sowie deren Erwartungen für die kommenden zwölf Monate und spiegelt somit ein Gesamtbild der wirtschaftlichen Situation wider.
Die IHK Ostbrandenburg ist die größte Interessenvertretung der Wirtschaft zwischen Schwedt und Eisenhüttenstadt, zwischen Berlin und der Oder.
