Widerstandsfähig ohne Wachstum
Wirtschaft behauptet sich, aber sie gewinnt noch nicht an Kraft. Der Konjunkturklimaindex steigt von 76 auf 87 Punkte, bleibt damit aber unter dem Vorjahresniveau. Nach Corona, Energiekrise und neuen geopolitischen Belastungen haben sich viele Unternehmen an höhere Preise gestörte Lieferketten und unsichere Rahmenbedingungen angepasst. Das belegt die IHK-Konjunkturumfrage für Ostbrandenburg im Herbst 2026.
Der Konjunkturtrend
Insbesondere Handel und Dienstleistungen erholen sich vom Einbruch im Frühsommer, wobei sich Groß- und Einzelhandel deutlich unterschiedlich entwickeln. In der Industrie stabilisieren sich Auftragslage und Erwartungen, während die Bauwirtschaft trotz einzelner Verbesserungen unter Druck bleibt. Besonders angespannt ist die Situation im Verkehrsgewerbe, dessen Konjunkturklima auf das Niveau der Coronakrise fällt. Branchenübergreifend bleiben die Geschäftserwartungen pessimistisch. Hohe Energie- und Rohstoffpreise, wirtschaftspolitische Unsicherheit und schwache Nachfrage begrenzen weiterhin die Wachstumsaussichten. Investitionen dienen überwiegend dem Ersatzbedarf und der Effizienzsteigerung, während die Beschäftigungspläne zurückhaltend bleiben. Die Unternehmen setzen damit weiterhin eher auf Anpassung und Bestandssicherung als auf Wachstum.
Luftaufnahme Log Plaza Frankfurt (Oder) im Güterverkehrszentrum-Süd (GVZ-Süd)
Dreimal im Jahr werden Unternehmen in Berlin und Brandenburg von den jeweiligen IHKs in Brandenburg zu ihrer aktuellen konjunkturellen Lage und ihren Erwartungen befragt. Sie liefern ein detailliertes Bild der wirtschaftlichen Lage der Unternehmen und zukünftigen Entwicklungen in Ostbrandenburg.
Sie wollen sich an der Umfrage beteiligen? Melden Sie sich gern unter umfragen@ihk-ostbrandenburg.de
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Konjunkturklimaindex
Die wirtschaftliche Stimmung im IHK-Bezirk-Ostbrandenburg hat sich im Herbst 2026 spürbar verbessert. Der Konjunkturklimaindex steigt gegenüber dem Frühsommer um elf Punkte, von 76 auf 87 Punkte. Die Wirtschaft erholt sich vom jüngsten Einbruch, bleibt jedoch unter dem Vorjahresniveau. Die Verbesserung deutet auf eine Stabilisierung hin, aber ohne neue Wachstumsimpulse zu schaffen.
Besonders hat sich das Konjunkturklima im Handel erholt. Hier steigt der Index um 24 Punkte auf 82 und nähert sich damit wieder dem Niveau vor dem Frühsommereinbruch. Auch in der Industrie verbessert sich die Stimmung auf 82 Punkte, während sich Dienstleistungen nur leicht erholen, allerdings auf höherem Niveau. Das Baugewerbe verharrt auf schwachem Nivea. Besonders angespannt ist weiterhin die Situation im Verkehrsgewerbe: Der Konjunkturklimaindex fällt dort auf 42 Punkte und erreicht damit den Tiefststand der Coronakrise. Die unterschiedlichen Branchenentwicklungen zeigen, dass sich die Konjunktur insgesamt stabilisiert, einige Branchen durch die immer neuen Krisen schwerer getroffen sind als andere.
Der Konjunkturklimaindex (KKI) fasst die Salden aus Geschäftslage und Geschäftserwartungen zu einem gemeinsamen Indikator zusammen und ermöglicht so einen schnellen Überblick über die wirtschaftliche Stimmung in verschiedenen Branchen.
(Hinweis: Durch das Anklicken der Branchen und Bereiche können Sie einzelne Graphen an- und abwählen.)
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Geschäftslage und Erwartungen
Die Geschäftserwartungen erholen sich, bleiben aber überwiegend pessimistisch. Branchenübergreifend rechnen 37 Prozent der Unternehmen mit einer Verschlechterung und nur sieben Prozent mit einer Verbesserung ihrer Geschäftslage. Besonders in Industrie, Handel und Dienstleistungen fällt der Pessimismus geringer aus als im Frühsommer. Im Großhandel erwarten allerdings 60 Prozent sinkende Umsätze. Auch im Baugewerbe bleibt die Stimmung gedrückt: Kein befragtes Unternehmen rechnet mit einer Verbesserung seiner Geschäftslage. Besonders negativ fallen die Erwartungen im Verkehrsgewerbe aus. Hier erwarten 76 Prozent eine Verschlechterung und kein Unternehmen eine Verbesserung. Insgesamt deutet die Entwicklung eher auf eine Stabilisierung der wirtschaftlichen Lage als auf einen bevorstehenden Aufschwung hin.
Der Lageindex zeigt, wie die Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage bewerten. Der Erwartungsindex beschreibt, wie sie die kommenden Monate einschätzen. Der Konjunkturklimaindex führt beide Werte zu einem Gesamtbild zusammen. 100 Punkte markieren die neutrale Mitte: Werte darüber zeigen überwiegend positive, Werte darunter überwiegend negative Einschätzungen. Der Index misst damit die Stimmung der Unternehmen, nicht unmittelbar das tatsächliche Wirtschaftswachstum.
Industrie
| Herbst 2026 | Frühsommer 2026 | |
| Konjunkturklimaindex | 82 | 72 |
| Lageindex | 91 | 100 |
| Erwartungsindex | 75 | 53 |
| Beschäftigungssaldo | -33 | -24 |
Die ostbrandenburgische Industrie zeigt Stabilisierungstendenzen, aber keine Dynamik. Der Konjunkturklimaindex steigt auf 82 Punkte, und der Anteil der Unternehmen mit steigenden Auftragseingängen steigt gegenüber dem Frühsommer von 11 auf 14 Prozent. Die Umsatzerwartungen verbessern sich: 70 Prozent rechnen mit gleichbleibenden Umsätzen, lediglich 14 Prozent mit Zuwächsen. Gleichzeitig meldet nur noch jedes fünfte Unternehmen eine gute Geschäftslage, nach 35 Prozent im Frühsommer. Fast die Hälfte der exportierenden Unternehmen berichtet von rückläufigen Ausfuhren. Besonders angespannt bleiben die Beschäftigungsaussichten: 43 Prozent planen Personalabbau, nur zehn Prozent einen Beschäftigungsaufbau. Hohe Energie- und Rohstoffpreise (88 Prozent), wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen (83 Prozent) und eine schwache Inlandsnachfrage (59 Prozent) bremsen die Erholung. Zwar investieren die Unternehmen weiterhin, doch mit 73 Prozent bleibt der Ersatzbedarf das dominierende Investitionsmotiv. Insgesamt zeichnet sich damit eher eine Stabilisierung auf niedrigem Niveau als eine wirtschaftliche Trendwende ab.
Baugewerbe
| Herbst 2026 | Frühsommer 2026 | |
| Konjunkturklimaindex | 79 | 84 |
| Lageindex | 94 | 109 |
| Erwartungsindex | 66 | 65 |
| Beschäftigungssaldo | -32 | -31 |
Das ostbrandenburgische Baugewerbe bleibt trotz steigender Auftragseingänge in einer ausgeprägten Schwächephase. Inzwischen melden 26 Prozent der Unternehmen wachsende Aufträge, nach nur einem Prozent im Frühsommer, allerdings verzeichnen weiterhin 36 Prozent Rückgänge. Die Verbesserung kommt nur einem Teil der Branche zugute. Lediglich 15 Prozent bewerten ihre Geschäftslage als gut, weniger als halb so viele wie im Vorjahr. Die Erwartungen bleiben pessimistisch: Kein Unternehmen rechnet mit einer Verbesserung der Geschäftslage oder steigenden Umsätzen, mehr als die Hälfte erwartet sogar Umsatzrückgänge. Auch Investitionen und Beschäftigung bleiben schwach: 73 Prozent investieren nicht, fast ein Drittel plant Personalabbau. Hohe Energie- und Rohstoffpreise (91 Prozent), Finanzierungskosten und geringe Margen verhindern bislang, dass sich die gestiegenen Auftragseingänge in einen breiten Aufschwung übersetzen.
Handel
| Herbst 2026 | Frühsommer 2026 | |
| Konjunkturklimaindex | 82 | 58 |
| Lageindex | 89 | 69 |
| Erwartungsindex | 75 | 48 |
| Beschäftigungssaldo | -10 | -29 |
Das Konjunkturklima im ostbrandenburgischen Handel erholt sich deutlich: Der Index steigt um 24 auf 82 Punkte. Allerdings entwickeln sich Groß- und Einzelhandel zunehmend auseinander. Während im Großhandel 51 Prozent ihre Geschäftslage als schlecht bewerten, melden im Einzelhandel 47 Prozent eine gute Lage – einer der höchsten Werte der vergangenen zehn Jahre. Auch die Erwartungen bleiben unterschiedlich: Im Großhandel rechnen 60 Prozent mit sinkenden Umsätzen, im Einzelhandel erwartet dagegen gut die Hälfte stabile Umsätze. Insgesamt verbessert sich der Saldo der Geschäftserwartungen von minus 52 auf minus 25 Punkte, bleibt damit aber negativ. Die Investitionsbereitschaft steigt von 46 auf 63 Prozent, dient jedoch überwiegend dem Ersatzbedarf und der Rationalisierung. Besonders deutlich zeigt sich die Spreizung bei den Beschäftigungsplänen: Während im Einzelhandel 28 Prozent Personal aufbauen wollen, planen im Großhandel 40 Prozent einen Stellenabbau. Die Erholung im Handel bleibt damit ungleich verteilt und geht noch nicht mit einer breiten wirtschaftlichen Belebung einher.
Dienstleistungen
| Herbst 2026 | Frühsommer 2026 | |
| Konjunkturklimaindex | 90 | 79 |
| Lageindex | 118 | 111 |
| Erwartungsindex | 69 | 57 |
| Beschäftigungssaldo | -14 | -24 |
Die ostbrandenburgische Dienstleistungsbranche erholt sich leicht, bleibt jedoch von schwacher Nachfrage und hohen Kosten belastet. Der Anteil der Unternehmen mit guter Geschäftslage steigt von 28 auf 35 Prozent. Besonders positiv entwickeln sich die Finanz- und Versicherungsdienstleister, bei denen inzwischen 59 Prozent ihre Lage als gut bewerten. Die Geschäftserwartungen bleiben dagegen pessimistisch: 37 Prozent rechnen mit einer Verschlechterung, lediglich sechs Prozent mit einer Verbesserung. Auch die Investitionsbereitschaft bleibt schwach: Nur 49 Prozent der Unternehmen planen Investitionen, gegenüber einem langjährigen Durchschnitt von rund 70 Prozent. Der Ersatzbedarf dominiert dabei mit 72 Prozent. Die Beschäftigungsaussichten verbessern sich zwar leicht, bleiben insgesamt aber negativ. Größte Geschäftsrisiken sind die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen sowie Energie- und Rohstoffpreise (jeweils 74 Prozent). Insgesamt zeigt sich eine leichte Erholung der Geschäftslage, die sich bislang kaum in optimistischeren Erwartungen, zusätzlichen Investitionen oder Beschäftigungsaufbau niederschlägt.
Verkehrsgewerbe
| Herbst 2026 | Frühsommer 2026 | |
| Konjunkturklimaindex | 42 | 53 |
| Lageindex | 73 | 85 |
| Erwartungsindex | 24 | 33 |
| Beschäftigungssaldo | -49 | -36 |
Das ostbrandenburgische Verkehrsgewerbe befindet sich in einer schweren Krise. Der Konjunkturklimaindex fällt auf 42 Punkte und erreicht damit den Tiefststand der Corona-Pandemie. Nur noch neun Prozent der Unternehmen bewerten ihre Geschäftslage als gut. Die Erwartungen erreichen ein historisches Tief: 76 Prozent rechnen mit einer weiteren Verschlechterung der Geschäftslage, 60 Prozent mit sinkenden Umsätzen. Kein Unternehmen erwartet eine Verbesserung oder Umsatzsteigerungen. Besonders belasten Energie- und Rohstoffpreise (96 Prozent), hohe Arbeitskosten (71 Prozent) und wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen (65 Prozent). Erstmals seit der Pandemie plant mit 51 Prozent wieder eine Mehrheit der Unternehmen Personalabbau. Bemerkenswert ist dagegen die steigende Investitionsbereitschaft: 59 Prozent der Betriebe investieren, 18 Prozentpunkte mehr als im Frühsommer. Die Investitionen dienen jedoch vor allem dem Ersatzbedarf. Insgesamt steht die Branche trotz höherer Investitionsbereitschaft unter erheblichem Kosten- und Anpassungsdruck.
