Medieninformation vom 13. März 2026

„Buy European" - "kaufe europäisch": IHK lehnt neuen Gesetzesvorschlag der EU-Kommission ab / Unternehmensfreiheit wird beschnitten

Die Grundidee ist ebenso simpel wie einleuchtend: Wenn EU-Staaten das Geld der Steuerzahler für öffentliche Beschaffung in die Hand nehmen, dann soll es in erster Linie europäischen Unternehmen und Produkten zugutekommen – und nicht chinesischen oder amerikanischen Unternehmen. Frankreich hat mit dieser Idee aktuell geworben. In der breiteren Öffentlichkeit ist dieser Gedanke unter dem Schlagwort „ Buy European“ oder „Made in Europe“ bekannt geworden. „Die Forderung klingt zunächst nachvollziehbar“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Thomas Albiez. „Die USA, Kanada und China schützen so ihre lokalen Unternehmen.“
Eine aktuelle Umfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) in Berlin zeigt jedoch, wie sensibel das Thema ist: Drei von vier Unternehmen erwarten spürbare Auswirkungen von Buy European-Maßnahmen auf ihr Geschäft. Größte Sorge ist dabei zusätzliche Bürokratie: 55 Prozent rechnen mit mehr Aufwand durch Herkunftsnachweise. Dahinter folgen Kostensorgen, die sich mit erhofften Wettbewerbsvorteilen fast die Waage halten: 43 Prozent rechnen mit höheren Produktionskosten, 42 Prozent erwarten bessere Wettbewerbschancen im EU-Binnenmarkt. Weitere Risiken bleiben ebenfalls im Blick: 36 Prozent befürchten Gegenreaktionen von Handelspartnern und einen erschwerten Zugang zu wichtigen Drittlandmärkten. 29 Prozent sehen zudem das Risiko, bestehende Lieferanten zu verlieren.
Nach dem letzten vorgelegten Gesetzvorschlag durch die EU-Kommission soll es nach Branchen gestaffelte Quoten geben, um einen Mindestanteil europäischer Bauteile zu sichern. Gefördert werden der Bausektor, die Elektroautos und grüne „Netto-Null“-Technologien, nicht aber Halbleiter und KI. Großbritannien, Kanada und Japan dürfen möglicherweise mit großzügigen Ausnahmen rechnen, die USA womöglich auch.
„Lokalisierungs- oder Präferenzpflichten mögen eingängig klingen“, so Thomas Albiez. „Ökonomisch sind sie kein Allheilmittel. Sie lösen keine strukturellen Standortprobleme, sondern verteuern Produktion, verengen Beschaffungsmärkte und beschneiden unternehmerische Freiheit. Am Ende drohen Verwerfungen im internationalen Handel“, sagt der IHK-Hauptgeschäftsführer.
„Auch die geplanten Auflagen für Investitionen aus Drittstaaten senden kein einladendes Signal an internationale Kapitalgeber. Europa braucht Offenheit, verlässliche Rahmenbedingungen, und muss sich dabei an seine internationalen Verpflichtungen in der Welthandelsorganisation sowie an bilaterale Handelsabkommen halten“, so Albiez. Abschließend resümiert er „Wer Europas Industrie stärken will, verbessert die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts, reduziert Bürokratie und erleichtert Investitionen anstatt neue Hürden aufzubauen.“
Bevor der Vorschlag final beschlossen werden kann, geht er erstmal zur weiteren Beratung an das EU-Parlament und in den Rat der Mitgliedstaaten. Die IHK wird das Thema „Buy European“ weiterhin verfolgen und dabei ein kritischer Begleiter sein.