Von Claudia Lösler
Was passiert, wenn plötzlich wichtige Zulieferer ausfallen? Wenn ein Cyberangriff die IT lahmlegt? Wenn ein Hochwasser Produktionshallen unter Wasser setzt oder geopolitische Konflikte Lieferketten unterbrechen?
Vor einigen Jahren hätten viele Unternehmen diese Fragen noch als theoretische Szenarien betrachtet. Heute sind sie wichtiger und aktueller denn je. Etliche Krisen wie die Corona-Pandemie, der Mangel an Halbleitern, gestiegene Energiepreise, der Ukraine-Krieg oder diverse Cyberangriffe haben gezeigt, wie schnell sich Rahmenbedingungen ändern können. Genau hier kommt ein Begriff ins Spiel, der in der Wirtschaft zunehmend an Bedeutung gewinnt: Resilienz.
Resiliente Unternehmen schaffen es, auch unter schwierigen Bedingungen handlungsfähig zu bleiben. Sie verfügen über Notfallpläne, alternative Lieferanten, sichere IT-Systeme und Mitarbeitende, die Veränderungen flexibel begegnen. Vor allem aber sind sie in der Lage, sich an neue Situationen anzupassen und gestärkt aus Krisen hervorzugehen. Die Fähigkeit, Widerstandskraft, Anpassungsfähigkeit und Lernfähigkeit miteinander zu verbinden, wird immer mehr zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor.
Dass das Thema auch für die Region Heilbronn-Franken an Bedeutung gewinnt, überrascht nicht. Die Unternehmen der Region sind international vernetzt, exportorientiert und häufig Teil globaler Lieferketten. Ereignisse am anderen Ende der Welt können deshalb unmittelbare Auswirkungen auf Produktionsabläufe, Beschaffung oder Absatzmärkte haben. „Eine Cyberattacke reicht völlig aus, um ein oder mehrere Unternehmen gleichzeitig lahmzulegen“, sagt Henriette Model, Referentin für Resiliente Wirtschaft & sichere Region bei der IHK.
Die IHK hat das Thema zu einem strategischen Schwerpunkt gemacht. Mit dem neuen Themenbereich bündelt sie Informationen, Veranstaltungen und Unterstützungsangebote für Unternehmen rund um wirtschaftliche Resilienz. Unternehmen erhalten aktuelle Informationen zu relevanten Entwicklungen und Gefahren, praxisnahe Handlungshilfen sowie Zugang zu Fachvorträgen und Expertenwissen. Ein besonderer Fokus liegt zudem auf dem Aufbau von Netzwerken mit Sicherheitsakteuren, Behörden und Unternehmen, um die gemeinsame Krisenvorsorge in der Region zu stärken.
Ziel ist es, unsere Region und unsere Mitglieder zu vernetzen, ihnen Angebote zu machen und Lösungen zu präsentieren, damit sie gestärkt aus Krisen herausgehen.
Henriette Model
Angesichts geopolitischer Entwicklungen, technologischer Transformationen und komplexer Marktbedingungen werde die Stärkung der eigenen Widerstandsfähigkeit zu einem zentralen Erfolgsfaktor. Für Model ist dabei klar:
Es gibt so viele Themen, die Unternehmen gerade auf der Agenda haben. Wir sagen aber, dass Wettbewerbsfähigkeit, Resilienz und Innovationsfähigkeit zusammen betrachtet werden sollten.
Henriette Model
Resilienz umfasst dabei viele unterschiedliche Bereiche und zeigt sich nicht erst in der Krise, sondern in der Vorbereitung darauf: Stabile Lieferketten, gesicherte kritische Betriebsprozesse sowie starke IT- und Cybersicherheit helfen, kritische Prozesse zu schützen. Damit Unternehmen auch in Ausnahmesituationen handlungsfähig bleiben, braucht es klare Kommunikation, Entscheidungskompetenz, qualifizierte Mitarbeitende und eine Kultur, die Veränderung aktiv annimmt.
„Nicht nur die die Führungsebene sollte sich mit dem Thema Resilienz auseinandersetzen, sondern jeder und jede Einzelne. Bin ich auf einen Notfall vorbereitet? Was tue ich, wenn mein Arbeitgeber in welcher Form auch immer angegriffen wurde? Gibt es einen Notfallplan? All das sollte im Unternehmen vorgedacht und kommuniziert werden.“
Für Henriette Model ist Resilienz kein Thema nur für den Ernstfall. Sie ist eine Investition in die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen und Standort.
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